Darf ich Excel oder andere Kalkulationsprogramme für meine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung in Österreich verwenden?

Ja, wenn sichergestellt wird, das nachträgliche Änderungen ausgeschlossen sind oder protokolliert sind

Aktualisiert am: 10.11.2018

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Die Problematik

Voraussetzungen vom österreichischen Gesetzgeber für ordnungsmäßige Aufzeichnungen

(3) Zur Führung von Büchern und Aufzeichnungen können Datenträger verwendet werden, wenn die inhaltsgleiche, vollständige und geordnete Wiedergabe bis zum Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist jederzeit gewährleistet ist; die vollständige und richtige Erfassung und Wiedergabe aller Geschäftsvorfälle soll durch entsprechende Einrichtungen gesichert werden.

- § 131 BAO

 Angesichts dieses Paragrafen kommen viele zu einer Schlussfolgerung dieser Art

Excel-Tabellen sind keine Grundaufzeichnungen im Sinne der Bundesabgabenordnung (BAO), da sie jederzeit nachträglich veränderbar sind und es nicht überprüft werden kann, ob Änderungen vorgenommen wurden oder nicht

Kalkulationsprogramme sind also nur dann zulässig wenn ...

  1. ... nachträgliche Abänderungen, Löschungen und Ergänzungen an den zu einem früheren Zeitpunkt eingegebenen Daten technisch ausgeschlossen sind oder derartige Eingriffe in den ursprünglichen Datenbestand in der Datei zwangsläufig dokumentiert und offen gelegt werden
  2. ... die gesetzliche Aufbewahrungsfrist eingehalten wird

Wie kann man also beweisen, dass eine Excel-Datei unverändert ist?

Die Lösung

1. Monatliche Buchhaltung mit PDF-Export

Um den Orignaldatenbestand und unsere Rechenergebnisse jedes Buchhaltungsmonats nachzuweisen exportieren Sie diese als PDF-Datei 

  1. Erstellen Sie für jedes Buchhaltungsjahr ("2016", "2017", usw.) und jeden Buchhaltungsmonat ("01", "02", usw.) einen eigene Unterordner um alle relvanten Dokumente aufzubewahren
  2. Sieben Jahre Aufbewahrungsfrist: Stellen Sie unbedingt sicher, dass die Daten in diesen Ordnern täglich als Kopie auf min. einem externen Gerät und/oder in der Cloud gesichert werden.
    Z.B mit einem Clouddienst (Dropbox, Google Drive, etc.) und/oder einem Zusatzprogramm, das automatisch und täglich Ihren Finanzordner auf einem USB Gerät kopiert.
  3. Machen Sie Ihre Buchhaltung monatlich und nachdem Sie die Buchhaltung eines Monats abgeschlossen haben, exportieren Sie monatlich Ihre Excel-Datei als PDF-Datei
    • Microsoft Excel: Datei > Speichern Unter > *.pdf
    • OpenOffice: Datei > Als PDF exportieren
    • Google Docs: Datei > Download als > PDF

2. PDF-Datei digital signieren

Eine digital signierte PDF-Datei ist unveränderbar und enthält einen Zeitstempel.
Damit ist für jeden Buchhaltungsmonat bewiesen, dass keine Daten verändert wurden.

Option A: Online Signatur mit Handy

  1. Kostenlos Ihre Handysignatur aktivieren
  2. PDF-Dateien kostenlos mit Handsignatur auf PrimeSign digital signieren

Option B: Chipkartenleser mit E-Card

Zusätzlicher Kommentar nach direkter E-Mail-Anfrage beim BMF

Allerdings allein aus der Verwendung eines derartigen Programmes ohne entsprechenden Zusatzmodul eine materielle Nichtordnungsmäßigkeit der Bücher und Aufzeichnungen abzuleiten, wäre aus Sicht des Bundesministeriums für Finanzen verfehlt. Es ist lediglich die gesetzliche Vermutung der inhaltlichen Richtigkeit der Bücher und Aufzeichnungen nicht mehr gegeben, sondern muss im Einzelfall vom Abgabepflichtigen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden.
- E-Mail-Auskunft September 2016

Sinngemäß: Selbst wenn Sie Änderungen in Ihrer Tabellenkalkulation nicht protokoliert haben oder ausschließen können, bedeutet das nicht, dass das Finanzamt deshalb Ihre Buchhaltung als ungültig betrachten kann oder Ihre Betriebsergnisse per Schätzung ermitteln wird. Achten Sie auf gültige Belege!

Fazit

  • Machen Sie Ihre Buchhaltung monatlich
  • Exportieren Sie die monatliche Buchhaltung als PDF-Datei
  • Versehen Sie diese PDF-Datei mit einer digitalen Signatur
  • Löschen Sie nicht einfach Zeilen aus Ihren vergangenen Buchhaltungsmonaten, wenn Ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Wenn Korrekturen notwendig sind, machen Sie diese in Ihrem aktuellen Buchhaltungsmonat und dokumentieren Sie akribisch und nachvollziehbar warum die Korrekturen notwendig waren 
  • Überprüfen Sie nach Abschluss Ihrer monatlichen Buchhaltung ob Sie alle Belege und deren Beträge richtig in die Tabelle eingegeben haben. Sind die Belegnummern chronologisch geordnet und habe ich keine Nummer übersprungen?
  • Dokumentieren Sie Briefe, E-Mails, Lieferscheine und vor allem vom Finanzamt anerkannte Belege um für alle Ihre Einnahmen und Ausgaben beweisen zu können

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Haftungsausschluss

Die Inhalte auf dieser Seite wurden zwar mit Sorgfalt erstellt, garantieren aber keine Rechtssicherheit oder Aktualität. Der Ersteller ist nicht berechtigt buchhalterische Auskünfte zu geben. Bitte lesen Sie selbst die offiziellen Publikationen des BMF und der WKO bzw. lassen Sie sich von Ihrem Finanzamt oder einem zertifizierten Steuerberater beraten.